Das Klimanifest.

pdf-Download Klimanifest.
Fotos im Header: Details

Apropos
‚Bitte mach mir den Teppich nicht nass, während du löschst!‘

Philipp Schröder, Experte für erneuerbare Energien und Ex-Tesla-Chef Deutschland, fasst die Klimapolitik-Situation wie folgt in ein Bild:

  • „Man versucht ein Feuer zu löschen – das ist die Klimakatastrophe.  Und diejenigen, die die Feuerlöscher sind, sind … [die]  Politiker  … und um sie rum hüpfen Lobbyverbände, die sagen, ‚bitte mach mir den Teppich nicht nass, während du löschst.‘ … Allerdings sind wir alle … in einer Komfortzone, … und möchte[n] [auf dem] Sofa sitzen bleiben und … nicht nass werden – und das ist sehr schwer zu lösen.“
    >> Quelle(n) siehe unten.

It’s the planet, stupid! Mach es nicht komplizierter als es ist. Es ist ganz simpel:

Wenn ein Haus brennt, löscht man das Feuer.

Unser Haus brennt. Also löschen wir es – und wenn wir dabei nass werden, werden wir dabei nass:


Das Klimanifest. | Für ein generationen- und klimagerechtes Jetzt-Handeln.

Für dich, für mich, für uns, für alle, für alles.

Ich möchte nass werden!

Für mich selbst.

Für meine Kinder. Für alle unsere Nachkommen, die verdammt noch mal das gleiche Recht haben, in einem funktionierenden Ökosystem zu leben.

Für meine Enkel:innen, denn es wäre schön, wenn es sie eines Tages geben könnte.

Für alle Menschen, die ich liebe. – Ja, und auch für die Menschen, die ich nicht mag.

Für ‚mein‘ Hamburg, für ‚meine‘ Nordfriesischen Inseln und sonstige von mir geliebte Orte.

Für all die Mitmenschen, die nicht zu den Profiteur:innen des (ohnehin zu Ende gehenden) Status quo gehören.

Für Europa, dem ich mich als EU-Bürger:in zugehörig fühle.

Für uns Menschen der sog. Industrienationen, in der Hoffnung, dass mehr und mehr Mitmenschen ebenfalls das Bedürfnis entwickeln, ‚nass‘ zu werden: Es ist eine pure Illusion, dass die Klimakatastrophe und das sechste Massenaussterben uns Westler:innen weniger treffen könnten. Erst recht in einer globalisierten ‚vollen‘ Welt, in der alles miteinander zusammenhängt.

Für die weiblich gelesenen 51 Prozent  der Menschheit, die vom patriachal geprägten ökozidalen Turbokapitalismus unterdrückt werden und von Armut, Klimaverwerfungen und Biodiversitätsverlust besonders massiv betroffen sind.

Für die Menschen der Länder des Globalen Südens, die bis zum heutigen Tag mit dem niemals eingelösten ‚Entwicklungsversprechen‘ von Politiker:innen und Weltbanker:innen sowie von „Top“manager:innen, Aktionär:innen und auch den Konsument:innen der Industriestaaten verarscht und missbraucht werden – und nun darüber hinaus zuerst und am heftigsten ‚den Kopf hinhalten‘ für die von ihnen garantiert nicht verursachte globale Umweltkrise.

Für alle diejenigen Menschen, die aufgrund unserer westlichen ‚imperialen Lebensweise‘ und den daraus entstehenden sozialen Verwerfungen zu den heute schon 20 Millionen ‚Klimaflüchtenden‘ gehören und die bereits jetzt alles zurücklassen müssen.

Für die Menschenrechte aller Menschen auf Leben, Würde, Freiheit, Gleichheit, Parität der sozialen Geschlechter, Solidarität, Sicherheit, Freizügigkeit, Wahlrecht, Frieden, Asyl, Kleidung, Wohnung, Bildung, ärztliche Versorgung, gesunde Nahrung, einwandfreies Trinkwasser, saubere Luft sowie Generationen- und Klimagerechtigkeit.

Ich bitte dich und euch für uns, für alle:

Lasst uns unser anmaßendes ‚Leben im Überfluss‘ loslassen;
lasst uns genügsam sein und uns auf ein ‚menschliches Maß‘ beschränken;
lasst uns die planetaren Grenzen würdigen;
lasst uns kosmopolitisch handeln;
lasst uns in Liebe leben und das Leben lieben:
Lasst uns gemeinsam diesen „kollektiven Suizidversuch“ beenden.

Lasst uns alle füreinander ‚nass‘ werden:

Für das Wunder ‚Leben‘; für alles Leben auf dieser Erde, ob es nun CO2 generiert oder absorbiert; für unsere Mitgeschöpfe, für alle Lebewesen, die mit unserem absurden Egotrip – der schlicht und einfach ins Nichts führt – nichts zu tun haben und doch fatalerweise uns Menschen bedingungslos ausgeliefert sind – und:

Für diese wunderbare Oase inmitten unbelebter Sterne, also: für diesen zum Kasino herabgewürdigten Planeten; für diese zutiefst geschundene blaue Perle namens Erde, auf der wir jetztbesoffen herumtrampeln, statt bei uns zu sein und uns so zu benehmen, wie es sich für Gäst:innen gehört.

Für alles. Denn ohne alles ist alles nichts.

pdf-Download Klimanifest.
Fotos im Header: Details

Marc Pendzich.


Regenzeit. unsplash/Matteo Catanese

„Komm, tanz‘ im Regen ganz verwegen,
wild und ungestüm für Dich,
Du sollst nur du selber sein.“

(… statt Konsument:in.)

aus: ‚Regenzeit‘ (Song), Marc Pendzich, 1994


Quellen zum Klimanifest.

Das Klimanifest liegt vor im nachstehenden Handbuch Klimakrise bzw. im Webportal handbuch-klimakrise.de.

  • Marc Pendzich: Handbuch Klimakrise – Die relevanten Fakten, Zahlen und Argumente zur großen Transformation. Book on Demand (BoD), Din A4, 700 Seiten, 68.– EUR sowie als E-Book, 19,99 EUR. Din A4, 700 Seiten, 68.– EUR (Buch, in allen Buchläden per Bestellung erhältlich), 19,99 EUR (E-Book, s. Amazon & Co) | Buch-ISBN 9783751985246 | E-Book-ISBN 9783752679670

    Über das Webportal handbuch-klimakrise.de liegt der komplette Inhalt für alle Bürger:innen frei verfügbar vor.

Eingangszitat Philipp Schröder:
>> Schröder, Philipp (2018): „Klimaretter Deutschland – gut gedacht, schlecht gemacht?“ [Philipp Schröder im Gespräch mit Maybrit Illner.] in: Maybrit Illner, Talkshow im ZDF, 13.12.2018, online unter  https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/klimaretter-deutschland-gut-gedacht-schlecht-gemacht-sendung-vom-13-dezember-2018-100.html (Abrufdatum 14.12.2018) [Hervorhebung im obigen Zitat von Marc Pendzich] [link nicht mehr verfügbar]


Stichwort „volle Welt“:
Wir haben als Realität anzuerkennen, dass wir nicht länger in einer ‚leeren Welt‘ leben – auf deren Basis immer noch sehr viele Menschen argumentieren –, sondern in einer ‚vollen Welt‘ mit definierten planetaren Grenzen.
>> vgl. Göpel, Maja (2020): Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Ullstein. S. 29f.
>> vgl. Weizsäcker, Ernst Ulrich von; Wijkman, Anders et al. (2019): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Club of Rome: Der große Bericht. Pantheon. S. 110f.


Stichwort „Imperiale Lebensweise“, siehe:
>> Brand, Ulrich u. Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus. oekom.


Stichwort „menschliches Maß“, siehe:
>> Paech, Niko (2012): Befreiung vom Überfluss. oekom. S. 52.


Stichwort „Klimaflüchtende“, siehe:
>> Buse, Uwe (u.a.): „Was der Anstieg der Meere für die Menschheit und ihre Lebensräume bedeutet“. in: Der Spiegel Nr. 49/2018, 1.12.2018, S.12-22.
Hier heißt es:
„Auf der Weltklimakonferenz 2017 in Bonn … schätzten UNO-Experten, dass bereits heute 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Hitze, Dürren, Stürmen oder Überschwemmungen seien. Laut einer Weltbank-Studie könnten es bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen werden“ (22)

Anmerkung dazu, 25.5.2019: Einer der (vielen) Mitautor:innen dieses Artikels ist Claas Relotius, der im Dezember 2019 vom Spiegel der Fälschung überführt wurde; der hier aufgeführte Teil des Artikels ist gemäß Überprüfung des Spiegels nicht zu beanstanden, ist also korrekt, vgl. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/der-fall-claas-relotius-welche-texte-gefaelscht-sind-und-welche-nicht-a-1249747.html (Abrufdatum 25.5.2019).

Sehr zu empfehlen in diesem Zusammenhang ist die ARTE-Doku
>> Aders, Thomas (2018): Klimafluch und Klimaflucht. TV-Doku, 59 min, online unter https://www.youtube.com/watch?v=tSiRvHzU_JY (Abrufdatum 22.12.2018) [nicht mehr verfügbar]


Stichwort „Menschenrechte aller Menschen“, siehe:
>> Amnesty International: „Alle 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, diskriminierungssensibel überarbeitete deutsche Übersetzung der Allgemeinen Erklärung“. in: amnesty.de, online unter https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte (Abrufdatum 24.6.2021)

Hinweis: Hier handelt es sich um eine vereinfachende Zusammenfassung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die angesichts der globalen Umweltkrise die Aspekte Gesundheit, Gendergerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit expliziet hervorhebt.

Und noch eine Anmerkung: Angesichts der ermüdenden Diskussionen der letzten Jahre ist möglicherweise ein wenig aus dem Blick geraten, dass das Recht auf Asyl ein Teil der allgemeinen Menschenrechte ist.


Stichwort „kollektiver Suizidversuch“, siehe:     
>> Rühle, Alex (2018): „Klimawandel: ‚Gleicht einem kollektiven Suizidversuch'“. [Gespräch mit Hans Joachim Schellnhuber]. in: Süddeutsche Zeitung, 14.5.2018, online unter https://www.sueddeutsche.de/kultur/klimawandel-gleicht-einem-kollektiven-suizidversuch-1.3978878?reduced=true (Abrufdatum 14.12.2018)


Stichwörter „Oase inmitten unbelebter Sterne“ und „Planet zum Kasino herabgewürdigt“, siehe die beiden folgenden Quellen:
>> Laurent, Melanie und Dion, Cyril (2016): Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen. Film-Doku. Darin: Pierre Rabhi im Gespräch.
Hier heißt es: „Diese unersättliche Menschheit sieht den Planeten nicht als wunderbare Oase inmitten unbelebter Sterne, in der das Leben herrlich ist: ein wahres Wunder eben.“
>> Rahhi, Pierre (2018): Manifest für Mensch und Erde. Matthes & Seitz Berlin, S. 89. Französische Originalausgabe 2008 unter dem Titel Manifeste pour la terre et l‘humanisme.
Hier heißt es: Unser Planet ist „durch Plünderung und die Gesetze des Marktes von einer Oase zum Kasino herabgewürdigt“ worden.


Weitere Quelle:
>> Luley, Peter (2018): „Klima-Talk bei ‚Maybrit Illner‘: Im Weinbergschneckentempo.“ in: Der Spiegel, 14.12.2018, online unter http://www.spiegel.de/kultur/tv/maybrit-illner-ueber-klimapolitik-mit-christian-lindner-im-schneckentempo-a-1243627.html (Abrufdatum 14.12.2018)


Mehr zum Thema ‚menschliches Maß‘ bei LebeLieberLangsam:
>> Beitrag „Hybris vs Hygge / Hygge contra Hybris“: https://blog.lebelieberlangsam.de/hybris-vs-hygge-hygge-contra-hybris


Fotos im Header: by unsplash – alle Orte ohne Flugzeug in Europa erreichbar. Stay grounded. Lebe terran. [Details]


unsplash/Matteo Catanese
Regenzeit: unsplash/Matteo Catanese