Das Klimanifest.

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Apropos
‚Bitte mach mir den Teppich nicht nass, während du löschst!‘

Philipp Schröder, Experte für erneuerbare Energien und Ex-Tesla-Chef Deutschland, fasst die Klimapolitik-Situation wie folgt in ein Bild:

  • „Man versucht ein Feuer zu löschen – das ist die Klimakatastrophe.  Und diejenigen, die die Feuerlöscher sind, sind … [die]  Politiker  … und um sie rum hüpfen Lobbyverbände, die sagen, ‚bitte mach mir den Teppich nicht nass, während du löschst.‘ … Allerdings sind wir alle … in einer Komfortzone, … und möchte[n] [auf dem] Sofa sitzen bleiben und … nicht nass werden – und das ist sehr schwer zu lösen.“ (13. Dezember 2018, Hervorhebung Pendzich)

Das Klimanifest. | Für ein generationengerechtes globales Jetzt-Handeln.

Ich möchte nass werden.

Für mich selbst.

Für meine Kinder. Für alle unsere Nachkommen, die verdammt noch mal das gleiche Recht haben, in einem funktionierenden Ökosystem zu leben.

Für meine Enkel*innen, denn es wäre schön, wenn es sie eines Tages geben könnte.

Für alle Menschen, die ich liebe. – Ja, und auch für die Menschen, die ich nicht mag.

Für ‚mein‘ Hamburg, für ‚meine‘ Nordfriesischen Inseln und sonstige von mir geliebte Orte.

Für Europa, dem ich mich als EU-Bürger*in zugehörig fühle.

Für uns Menschen der sog. Industrienationen, in der Hoffnung, dass immer mehr Mitmenschen ebenfalls das Bedürfnis entwickeln, ‚nass‘ zu werden: Es ist eine pure Illusion, dass die Klimakatastrophe und das Massenaussterben uns Westler*innen weniger treffen könnten. Erst recht in einer globalisierten ‚vollen‘ Welt, in der alles miteinander zusammenhängt.

Für die weiblich gelesenen 51 Prozent  der Menschheit, die vom patriachal geprägten ökozidalen Turbokapitalismus unterdrückt werden und von Armut, Klimaverwerfungen und Biodiversitätsverlust besonders massiv betroffen sind.

Für die Menschen der Länder des Globalen Südens, die seit Jahrzehnten und bis zum heutigen Tag mit einem niemals eingelösten ‚Entwicklungsversprechen‘ von Politiker*innen, Weltbanker*innen und IWF-ler*innen, von Unternehmer*innen und auch den Verbraucher*innen der Industriestaaten verarscht und missbraucht werden – und nun auch noch zuerst und am heftigsten ‚den Kopf hinhalten‘ für die von ihnen garantiert nicht verursachte globale Umweltkrise (‚Klimagerechtigkeit‘).

Für alle diejenigen Menschen, die aufgrund unserer westlichen ‚imperialen Lebensweise‘ und der daraus entstehenden sozialen Verwerfungen bzw. als einer von jetzt schon 20 Millionen ‚Klimaflüchtende‘ alles zurücklassen müssen. Würden wir G20-Bewohner*innen unser anmaßendes ‚Leben im Überfluss‘ beenden, uns auf das ‚menschliche Maß‘ beschränken und statt dessen kosmopolitisch handeln, würden wir auch den „kollektiven Suizidversuch“ beenden (Rühle 2018 u. vgl. Brand/Wissen 2017).

Für das Wunder ‚Leben‘; für alles Leben auf dieser Erde, ob es nun CO2 generiert oder absorbiert; für alle Lebewesen, die mit unserem absurden Egotrip – der schlicht und einfach ins Nichts führt – nichts zu tun haben und doch fatalerweise uns Menschen bedingungslos ausgeliefert sind – und:

Für diese wunderbare Oase inmitten unbelebter Sterne, also: für diesen zum Kasino herabgewürdigten Planeten, für diese zutiefst geschundene Erde, auf dem wir rumtrampeln, anstatt uns so zu benehmen wie es sich für Gäst*innen gehört (vgl. Rahbi 2018 u. Laurent 2016).

Für alles. Denn ohne alles ist alles nichts.

Marc Pendzich.


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„Komm, tanz‘ im Regen ganz verwegen,
wild und ungestüm für Dich,
Du sollst nur du selber sein.“

(… statt Konsument*in.)

aus: ‚Regenzeit‘ (Song), Marc Pendzich, 1994


Quellen zum Klimanifest.

Eingangszitat Philipp Schröder:
>> Schröder, Philipp (2018): „Klimaretter Deutschland – gut gedacht, schlecht gemacht?“ [Philipp Schröder im Gespräch mit Maybrit Illner.] in: Maybrit Illner, Talkshow im ZDF, 13.12.2018, online unter  https://www.zdf.de/politik/maybrit-illner/klimaretter-deutschland-gut-gedacht-schlecht-gemacht-sendung-vom-13-dezember-2018-100.html (Abrufdatum 14.12.2018)


Stichwörter „Oase inmitten unbelebter Sterne“ und „Planet zum Kasino herabgewürdigt“, siehe die beiden folgenden Quellen:
>> Laurent, Melanie und Dion, Cyril (2016): Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen. Film-Doku. Darin: Pierre Rabhi im Gespräch.
Hier heißt es: „Diese unersättliche Menschheit sieht den Planeten nicht als wunderbare Oase inmitten unbelebter Sterne, in der das Leben herrlich ist: ein wahres Wunder eben.“

>> Rahhi, Pierre (2018): Manifest für Mensch und Erde. Matthes & Seitz Berlin, S. 89. Französische Originalausgabe 2008 unter dem Titel Manifeste pour la terre et l‘humanisme.
Hier heißt es: Unser Planet ist „durch Plünderung und die Gesetze des Marktes von einer Oase zum Kasino herabgewürdigt“ worden.


Stichwort „menschliches Maß“, siehe:
>> Paech, Niko (2012): Befreiung vom Überfluss. oekom. S. 52.


Stichwort „Klimaflüchtende“:
>> Buse, Uwe (u.a.): „Was der Anstieg der Meere für die Menschheit und ihre Lebensräume bedeutet“. in: Der Spiegel Nr. 49/2018, 1.12.2018, S.12-22.
Hier heißt es:
„Auf der Weltklimakonferenz 2017 in Bonn … schätzten UNO-Experten, dass bereits heute 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Hitze, Dürren, Stürmen oder Überschwemmungen seien. Laut einer Weltbank-Studie könnten es bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen werden“ (22)

Anmerkung dazu, 25.5.2019: Einer der (vielen) Mitautoren dieses Artikels ist Claas Relotius, der im Dezember 2019 vom Spiegel der Fälschung überführt wurde; der hier aufgeführte Teil des Artikels ist gemäß Überprüfung des Spiegels nicht zu beanstanden, ist also korrekt , vgl. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/der-fall-claas-relotius-welche-texte-gefaelscht-sind-und-welche-nicht-a-1249747.html (Abrufdatum 25.5.2019).

Sehr zu empfehlen in diesem Zusammenhang ist die ARTE-Doku
>> Aders, Thomas (2018): Klimafluch und Klimaflucht. TV-Doku, 59 min, online unter https://www.youtube.com/watch?v=tSiRvHzU_JY (Abrufdatum 22.12.2018)


Stichwort „Imperiale Lebensweise“, siehe:
>> Brand, Ulrich u. Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus. oekom.


Stichwort „kollektiver Suizidversuch“, siehe     
>> Rühle, Alex (2018): „Klimawandel: ‚Gleicht einem kollektiven Suizidversuch'“. [Gespräch mit Hans Joachim Schellnhuber]. in: Süddeutsche Zeitung, 14.5.2018, online unter https://www.sueddeutsche.de/kultur/klimawandel-gleicht-einem-kollektiven-suizidversuch-1.3978878?reduced=true (Abrufdatum 14.12.2018)


Weitere Quelle:
>> Luley, Peter (2018): „Klima-Talk bei ‚Maybrit Illner‘: Im Weinbergschneckentempo.“ in: Der Spiegel, 14.12.2018, online unter http://www.spiegel.de/kultur/tv/maybrit-illner-ueber-klimapolitik-mit-christian-lindner-im-schneckentempo-a-1243627.html (Abrufdatum 14.12.2018)


Mehr zum Thema ‚menschliches Maß‘ bei LebeLieberLangsam:
>> Beitrag „Hybris vs Hygge / Hygge contra Hybris“: https://blog.lebelieberlangsam.de/hybris-vs-hygge-hygge-contra-hybris

unsplash/Matteo Catanese
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